Was ist Psychotherapie?

Psychotherapie ist die Behandlung von psychischen Erkrankungen ohne Medikamente. Bei der Psychotherapie arbeiten der Therapeut und der Patient zusammen und besprechen die Probleme, die möglichen Ursachen und suchen nach Lösungsmöglichkeiten. Es gibt verschiedene Therapieformen, die unterschiedliche Lösungswege anbieten.
Manche Psychotherapeuten bieten nur eine dieser Therapieformen an, andere bieten mehrere an.

Folgende Therapieformen werden von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt:

- Verhaltenstherapie
- Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
- Psychoanalyse

Verhaltenstherapie

In der Verhaltenstherapie geht es vorrangig darum, die jetzige Situation zu verbessern und zu lernen, mit den Ängsten zu leben beziehungsweise aus der Depression herauszufinden. Dazu werden bestimmte Verhaltensweisen trainiert. Im Mittelpunkt der Therapie steht nicht so sehr die Ursache für Angst und Depression, sondern vielmehr das Ziel, die jetzige Situation zu ändern. Das erfordert eine aktive Mitarbeit des Patienten. So kann es sein, dass der Angst-Patient üben muss, seine Angst auszuhalten und nicht davor wegzulaufen. Bei der Depression kann der Patient zum Beispiel durch Training lernen, seine negativen Gedanken zu stoppen und die positiven zu fördern.

Tiefenpsychologisch fundierte Therapie

Die tiefenpsychologisch orientierte Therapie geht davon aus, dass die Ursachen für Ängste und Depressionen in früheren Erfahrungen liegen. Darin gleicht sie der Psychoanalyse (siehe unten). Allerdings wird bei der tiefenpsychologisch fundierten Therapie mehr auf die jetzige Situation des Patienten und seine konkreten Probleme eingegangen als bei der Psychoanalyse. Der Therapeut versucht, bei der Auflösung der Konflikte aus der Vergangenheit mit seiner Interpretation zu helfen.

Psychoanalyse (auch analytische Psychotherapie genannt)

Die Psychoanalyse ist eine Therapie, die Anfang des 20. Jahrhunderts von Sigmund Freud entwickelt wurde. Ihr liegt die Vorstellung zugrunde, dass alle seelischen Probleme ihre Ursache in der Kindheit haben, diese Ursachen aber verdrängt wurden. Die Probleme können nach Ansicht der Psychoanalytiker gelöst werden, wenn sich der Patient der Ursachen bewusst wird. Bei der Psychoanalyse liegt der Patient auf einer Liege und lässt seinen Gedanken freien Lauf. Der Therapeut hakt lediglich ein, wenn ihm ein Fakt bedeutsam erscheint und analysiert dann diesen Punkt. Eine klassische Psychoanalyse dauert sehr lange, sie kann sich über Jahre hinziehen.

Neben diesen drei Therapieformen gibt es noch viele andere, die auch bei Angststörungen und Depressionen angewendet werden. Sie werden aber in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Wer bietet Psychotherapie an?

Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen eine Therapie, wenn Sie von den folgenden Therapeuten angeboten wird:

- Psychologischer Psychotherapeut
- Ärztlicher Psychotherapeut
- Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (Psychiater)

Die Bezeichnung des Therapeuten leitet sich von seiner Ausbildung ab. Unabhängig von der Art der Ausbildung (ärztlich oder psychologisch) können alle Psychotherapeuten verschiedene Therapiemethoden anbieten.

Psychologische Psychotherapeuten

Psychologische Psychotherapeuten haben Psychologie studiert und anschließend eine Zusatzausbildung für Psychotherapie gemacht. Sie bieten Psychotherapie an, dürfen aber keine Medikamente verschreiben. Die können dann aber, falls nötig, von Ärzten (zum Beispiel einem Psychiater oder einem Allgemeinmediziner) verschrieben werden.

Ärztliche Psychotherapeuten

Ärztliche Psychotherapeuten haben Medizin studiert und anschließend eine Zusatzausbildung für Psychotherapie gemacht. Das kann zum Beispiel ein Allgemeinmediziner sein (also Hausarzt), der zusätzlich Psychotherapie anbietet oder ein Neurologe (Nervenarzt). Der Ärztliche Psychotherapeut darf Medikamente verschreiben.

Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (Psychiater)

Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie haben Medizin studiert und eine Facharztausbildung für psychische Erkrankungen gemacht. Noch bis vor kurzem hießen sie offiziell Psychiater. Sie behandeln Depressionen und Angsterkrankungen soweit erforderlich mit Medikamenten. Je nach Ausbildung und Bedarf wenden Sie aber auch Psychotherapie an oder beziehen einen Psychotherapeuten in die Behandlung mit ein.

Neben diesen Therapeuten darf auch der "Heilpraktiker für Psychotherapie" in Deutschland Psychotherapie anbieten. Er hat eine Prüfung vor dem staatlichen Gesundheitsamt gemacht. Die meisten gesetzlichen Krankenkassen bezahlen die Behandlung beim "Heilpraktiker für Psychotherapie" aber nicht.
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